WAK.2008-12-17

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Canfora und Jünke - eine neue Stalinismusdebatte
Einführung: Florian Krahmer, Zweenfurth
Veranstaltung von WAK-Leipzig und dem Rohrbacher Kreis in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen
17. Dezember 2008, 18:00 Uhr, Harkortstraße 10

Ankündigung

Christoph Jünke, Historiker und Publizist aus Bochum, veröffentlichte in Utopie kreativ, Nov. 2008, "sechs Thesen zum langen Schatten des Stalinismus", den er als "langen Schatten" auf dem Weg zu einem Emanzipations- und Demokratiebegriff ausmacht, der sich nicht "von etwas", sondern "zu etwas" emanzipiert.

Jünke stellt dabei insbesondere die "Formen der Freiheit" von Leo Kofler und Canforas Demokratieverständnis gegenüber, welches in dessen "Kurzer Geschichte der Demokratie" entwickelt wird, und macht bei letzterem - im Gegensatz zu Leo Kofler - die Begriffe Freiheit und Demokratie als "letzten Endes leere Worthülsen" aus.

Darüber gab es bereits eine rege Debatte auf der Liste 'leipziger-linke', die nun durch in einer Präsenzveranstaltung fortgesetzt werden soll, zu der wir alle Interessierten herzlich einladen.


Bericht zur Veranstaltung

Vortragsnotizen von Florian Krahmer

In seinem Vortrag kam Florian Krahmer vor allem auf die Hintergründe der Kontroverse um Canforas Demokratieverständnis zu sprechen, die er als Kontroverse mit einem virulenten "Philo-Stalinismus" ausmachte, der Stalinismus als vergängliches historisches Phänomen betrachtet, indem er die Linie eines Leo Trotzki der Linie Stalins entgegenstellt.

Die Diskussion entzündete sich dann an der Frage, ob man dem Stalinismus gerecht wird, wenn man ihn primär als historisches Phänomen versteht, oder ob auch dieser Schoß noch fruchtbar ist - es sich also um ein strukturelles Phänomen handelt. Wenn letzteres, dann gilt es weiter zu differenzieren zwischen den historisch konkreten Erscheinungsformen des Stalinismus damals und heute. Insbesondere stand die Frage im Raum, ob man dem Phänomen Stalinismus gerecht wird, wenn man ihn allein als Machttechnik betrachtet, oder ob nicht umgekehrt ein quasi-religiöses Phänomen der Auseinandersetzung von Menschen mit einer komplexen gesellschaftlichen Umwelt machttaktisch instrumentalisiert wird, wie ein Aufsatz über säkular-religiöse Praktiken des Marxismus-Leninismus (ND, 29./30.11.2008) nahe legt.

Die in einer solchen Gläubigkeit zum Ausdruck kommende Irrationalität ist eine Ausdrucksform des Individuums, das "sich den 'narzistischen Kränkungen' stellt, welche wissenschaftliche Forschungen seit Kepler und Kopernikus den menschlichen Subjekten zugefügt haben." [Wolf-03] In diesem Sinne ist Stalinismus der kleine Bruder des Faschismus, ein spezifisches Phänomen einer staatskapitalistischen Produktionsweise und mitnichten obsolet, wie sich nicht zuletzt in der Linkspartei an der Aufkündigung des anti-stalinistischen Gründungskonsenses in der praktischen Alltagsarbeit ablesen lässt.

  • [Wolf-03] Frieder Otto Wolf: Grenzen und Schwierigkeiten der freien Kooperation. In: Gleicher als andere. Eine Grundlegung der freien Kooperation. Christoph Spehr (Hrsg.), Reihe: Texte der Rosa-Luxemburg-Stiftung; Bd. 9, Dietz Verlag Berlin 2003. http://www.rosalux.de/cms/index.php?id=5594

Hans-Gert Gräbe, 13.03.2009

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